Alice Springs - Mount Isa (23. - 30.)

23.06.07 Alice Springs - Trephina Gorge NP

Heute nahmen wir endgültig Abschied von Alice Springs. Kurz nach neun Uhr waren wir unterwegs zum Trephina Gorge NP. Erste Zwischenstops legten wir bei Emily und Jessie Gap ein. An beiden Stellen befindet sich ein Einschnitt in die Bergkette mit für die Aborigines wichtigen Malereien. Den nächsten Stop machten wir beim Corroboree Rock. Nach dem kurzen Spaziergang um den Felsen fuhren wir weiter Richtung Trephina Gorge NP. Bei der Trephina Gorge machten wir den rund 4 km langen Gorge Walk, der eine schöne Aussicht in die Gorge und deren Umgebung bot. Die Schlucht war erfüllt mit dem Gezwitscher unzähliger Vögel, die sich rund um das verbliebene tiefe Wasserloch versammelt hatten. In grossen Schwärmen gaben sie Kostproben ihrer Flugkünste. Nachdem wir uns von diesem Schauspiel lösen konnten, ging's mit dem Auto weiter zu den John Hayes Rockholes. Dort bewanderten wir in ca. 90 Min den Chain of Ponds Walk. Zuerst führte uns der Walk hinauf an den Schluchtrand und dann weiter dem Rand entlang. Es boten sich schöne Einblicke in die Schlucht und deren Umgebung. Zurück zum Parkplatz gings dann durch das Bachbett in der Schlucht an unzähligen Wasserlöchern vorbei. Nach der Wanderung war es zu spät, um noch weiter zu fahren, so dass wir uns auf dem Campingplatz bei der Trephina Gorge einrichteten. Nach dem Nachtessen und dem Eindunkeln waren wir froh, um 19 Uhr am warmen Campfire etwas über die Parks in den East MacDonnell Ranges und die Aufgaben eines Rangers zu hören. Zusätzlich gab es noch eine Tasse heissen Billy-Tea. Nach dem Ende des Campfireprogrammes erwärmten wir uns am Feuer noch eine Weile, bevor wir uns in den kalten Camper zurückzogen.

24.06.07 Trephina Gorge - Gem Tree

Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr 4°C im Camper................., völlig genervt vom ständigen Frösteln stand ich auf und war darauf erpicht innert Null Komma Nichts loszufahren, damit wir in der Führerkabine heizen und uns erwärmen konnten. Beat hatte bereits heisses Wasser zubereitet, von dem ich mir eilig ein Glas Tee einschenkte und anschliessend den Rest in der Führerkabine einnahm. Beat hatte seinen Tee bereits getrunken und hatte nichts gegen eine rasche Abfahrt einzuwenden. So kratzten wir das Eis von der Windschutzscheibe, brausten aus der Trephina Gorge und steuerten die N'Dhala Gorge an. Der Weg dahin dauerte ca. 30 Minuten während dem wir uns aufwärmen konnten. Mittlerweile zeigte sich auch schon die Sonne in schönem und wärmendem Kleid, so dass wir unser Frühstück gemütlich an der Sonne auf dem Park- und Campingplatz der N'Dhala Gorge geniessen konnten. Wir absolvierten den kurzen Spaziergang in die Schlucht und bewunderten die Peteroglyphen entlang des Wegs sowie die schönen Schmetterlinge, das hohe Spinifexgras und die rötlich glühenden Schluchtwände. Nach unserer Rückkehr beschlossen wir zum Arltunga Visitor Centre zu fahren, um uns nach den Strassenverhältnissen für die Ruby Gap Gorge und den Cattle Water Pass zu erkundigen. Beide Wege waren offen und wurden aufgrund von einigen ausgewaschten Stellen, sandigen sowie steinigen Passagen als 4WD-Strecken für Fahrzeuge mit viel Bodenfreiheit beschrieben.
Wir überlegten, ob wir Ruby Gap noch besichtigten wollten oder nicht, da der Weg dahin ca. 2 Stunden in Anspruch nehmen würde und "nur" ein Wanderweg von 2 km Länge angeboten wurde. Da ich keine Lust auf irgendwelche Abenteuer in der Kälte hatte, beschlossen wir Ruby Gap nicht anzufahren. Dafür konnte sich Beat durchsetzen, die Strasse über den Cattle Water Pass zu fahren.
Die Strecke war weniger schlimm als angenommen und wir kamen sicher und mit traumhaften Landschaftsbildern in Gem Tree an. Die Route führte durch Wüstengebiet mit teilweise völlig unbewachsenen roten Sandflächen, dann wieder durch hohes dichtes Spinifexgras, dann durch Busch- und Waldland. Der Weg war teilweise sehr steinig, andernorts sandig und die am stärksten ausgewaschenen Stellen konnten wir durch Buschland umfahren.
In Gem Tree richteten wir uns ein und kochten das Nachtessen. Hocherfreut stürzte ich mich beim Einchecken auf einen Stellplatz mit Stromanschluss. Nachdem alles geregelt und bezahlt war, wurde mir ein Handout abgegeben, auf dem gewisse Informationen über den Campingplatz und seine Aktivitäten standen. Unter anderem wurde ich auf einen speziellen Punkt hingewiesen, dass nämlich der Strom zwischen 22.30 und 6.30 Uhr morgens abgestellt wurde. Dies war überhaupt nicht nach meinem Geschmack und bereitete mir auch keine Freude. Doch solange wir Strom hatten, profitierten wir auch davon.

25.06.07 Gem Tree - Sandover Highway

Trotzdem der Campingplatz den Generator für den Strom durch die Nacht zeitweise ausser Betrieb nahm, verbrachten wir die Nacht ohne zu frieren. Wir nutzten die Gelegenheit und blieben am Morgen etwas länger in der Wärme liegen. Nach einer Dusche nahmen wir das Frühstück draussen an der Sonne ein und machten uns anschliessend auf Weg nach Mount Isa. Wir hatten uns entschlossen, den weniger befahrenen Sandover anstelle des Plenty Highway zu befahren. Nach einem kurzen Stück auf dem Plenty bogen wir auf den Sandover Highway ab. Die ersten 300 km waren recht gut zu befahren, aber am Horizont sahen wir, dass wir einer Regenfront hintennach fuhren. Die Strasse wurde allmählich feucht, bis wir richtig nasse und matschige Abschnitte antrafen. Es war nach fünf Uhr, als wir uns entschieden die Nacht auf einem provisorischen Rastplatz zu verbringen. Wir hofften, dass der Regen weiter zog und die Strecke morgen besser befahrbar sein wird. Die Aussicht vom Platz war schön und kein einziges Auto passierte unseren Camper. Die Sonne färbte die Wolken beim Untergang in allen möglichen Orange- und Rottönen. Wir verbrachten eine ruhige, gemütliche Nacht.

26.06.07 Sandover Highway - Georgina River

Kein Laut, nicht einmal Dingo-Geheul, durchdrang die tiefschwarze Nacht. Wir beide schliefen tief und fest und hatten für einmal warm genug auch ohne Heizung. Wir tranken heissen Tee zum Frühstück und lauschten dem Gezwitscher von unzähligen Vögeln, die aufgrund ihrer guten Tarnung kaum sichtbar waren. Gegen 9.00 Uhr morgens tuckerten wir los. Der Highway war zuerst noch einigermassen gut passierbar. Nach ca. 80 km Fahrt füllten wir den Diesel unserer Reservekanister nach und steuerten dann die Alpurruru_____ Community an, um mehr über die Strassenverhältnisse zu erfahren und ev. zu tanken.
Aber plötzlich häuften sich die Wasserpfützen und Schlammabschnitte. Unser Fahrzeug schlitterte von einer Seite zur anderen, mal blickte es in Fahrtrichtung und mal standen wir quer zur Fahrbahn. Steuer, Gegensteuer oder kein Steuer hatten nicht immer die gewünschte Wirkung, aber wir bewegten uns irgendwie noch vorwärts und das war die Hauptsache, denn anhalten hätte ein Steckenbleiben zur Folge gehabt. Wasserfontänen spritzten an den Seiten empor und zwischendurch sogar über die ganze Windschutzscheibe, so dass wir völlig blind für einige Sekunden irgendwie durch den Schlamm rutschten. Dicke Erdklumpen wurden durch die Räder emporgeworfen und prasselten an den Seiten teilweise auch gegen unser Fahrzeug wieder nieder. Unser Fahrzeug verhielt sich fast wie ein scheuendes Pferd. Endlich sahen wir wieder etwas trockeneren Boden unter den Rädern und hielten still, um zu prüfen, wie es unserem Fahrzeug ging. Es präsentierte sich ganz nett in neuem rötlichen Kleid mit Erdklümpchen versehen. Das Profil der Räder war gefüllt mit Erdmaterial und die Radkästen ebenso. Ansonsten war alles soweit i.O. Unsere Scheibenwischerflüssigkeit mussten wir nachfüllen, da wir alles aufgebraucht hatten, um die hochgespritzte Schlammsauce wegzuwischen und wieder etwas den Durchblick zu haben.
Mutig stiegen wir wieder ein und fuhren weiter voran. An ein Umkehren war nicht zu denken, da unser Diesel nicht mehr ausgereicht hätte. Mittlerweile hatte ich alle Karten und Bücher nach Alternativen durchforstet und las, dass der Sandover Highway auf Queenslandboden in schlechterem Zustand sein solle, als auf Northern Territory Boden und deshalb die Strasse über die Austral Downs empfohlen würde. Bei der Abzweigung Richtung Austral Downs blieb nicht viel Zeit zum Diskutieren, da wir im Morast fuhren und nicht anhalten konnten. Beat riss kurzer Hand das Steuer herum und wir drehten uns leicht schleudernd in Richtung Austral Downs. Doch hier trafen wir auf ebenso schlechte, wenn nicht noch schlechtere Verhältnisse. Mehrmals mussten wir irgendwelche Busch-Bypasses wählen, die manchmal besser und manchmal ebenso schlecht wie der Highway waren. Bei einem Stopp konnten wir hunderte von weissen Kakadus beobachten, die sich in den Bäumen als auch am Boden dicht gedrängt aufhielten und mit ihrem Gekrächze einen riesigen Krach in der sonst stillen Gegend veranstalteten. Wir filmten und fotografierten sie, danach begutachteten wir die Route und wählten den Bypass, um die überschwemmte Strasse zu umfahren. Jetzt änderte das Terrain wieder leicht, wurde etwas trockener, aber wir sanken trotzdem ca. 10 cm ein und hinterliessen eine tiefe Fahrspur. Als wir beim Viehrost ankamen und ihn passieren wollten, blockierten einige Rindviecher die Weiterfahrt. Alles zureden half nichts. Wir fotografierten und entschieden uns einfach durch zu fahren. Mit heulendem Motor und hochspritzenden Erdklumpen kamen wir voran und passierten den Rost. Die Tiere machten dann doch plötzlich Platz. Unser Fahrzeug wühlte und kampfte sich durch den Dreck und wir kamen nur langsam mit ca. 50 km/h voran. Plötzlich standen wir am Ufer des Georgina Rivers, dessen Indikatoren eine Tiefe von 80 cm anzeigten. Das bedeutete das Ende unserer heutigen Fahrt. Ein Pelikan wurde durch uns aufgescheucht und flog davon. Wir liessen das Fahrzeug direkt auf der Fahrspur stehen und richteten uns zum Übernachten ein. Wir genehmigten uns einen Lunch und lasen. Zwischendurch warfen wir einen Blick auf den Indikator und sahen, dass der Pegel langsam sank. Wir bereiteten uns leckere Pizzas zum Nachtessen zu. Kurz vor Sonnenuntergang hörten wir eine trabende Herde. Kurze Zeit später erschienen ca. 20 Rinder die auf der Strasse entlang trabten, um ihren Durst am Fluss zu stillen. Es waren sogar kleine Kälber mit von der Partie. Als sie uns sahen, näherten sie sich uns vorsichtig und beschnüffelten uns. Immer noch unruhig wagten sie sich ans Wasser und tranken in Eile. Plötzlich scherte ein Rind aus und rannte weiter weg, ein weiteres folgte und so kam Unruhe in die Herde. Sie umgingen unser Fahrzeug und näherten sich von der anderen Seite dem Fluss. Hier tranken sie nochmals und machten sich davon. Der aufgescheuchte Pelikan von heute mittag kam wieder zurück und paddelte vergnügt im Wasser. Wir hörten ihn noch ein paar Mal mit den Flügel schlagen, als wir uns in den Camper zurück gezogen hatten. Damit wir warm hatten und Licht sparen konnten, schlüpften wir bereits um 19.30 Uhr in unsere Schlafsäcke. Es dauerte eine Weile bis wir ruhig schlafen konnten.

27.06.07 Georgina River - 10 km vor Barkly Highway

Am Morgen um 7 Uhr zog ich mich an, um zu allererst den Wasserstand des Goergina River zu prüfen. Der Pegel war auf ca. 55 cm gesunken und eine befestigte Furth kam zum Vorschein. Die Strasse war auch erheblich trockener als am Vortag, so dass wir um 10 Uhr unsere Weiterfahrt antraten. Der Fluss war noch ein zweites mal zu durchqueren. Hier hatte er nur noch einen Pegel von 30 cm. Bis zu den Austral Downs war die Strasse in einem recht guten Zustand und wir kamen mit ca. 50 km/h voran. Die ca. 55 km nach den Austral Downs Richtung Barkly Highway waren aber in einem sehr schlechten und nassen Zustand. Wir meistereten die Stracke mit ihren zahlreichen Schlammlöschern bis ca. 10 km vor dem rettenden Barkly Highway. In einem langen schlammigen Abschnitt verlor das Fahrzeug plötzlich an Fahrt und blieb stecken. Weit und breit war kein Baum zu sehen, der uns hätte Äste zum Unterlegen der Räder liefern können. So probierten wir Steine zu Unterlegen und das Wasser irgendwie abzuleiten. Unsere Versuche blieben erfolglos. Das Profil der Reifen war derart mit schmieriegem Material gefüllt, dass diese absolut keine Traktion mehr hatten. Auch der Einsatz des Luftkissenhebers brachte nicht den gewünschten Erfolg. Am späteren Nahmittag hörten wir ein Flugzeug, das wahrscheinlich von den Austral Downs gestartet war. Wir winkten ihm zu und es drehte noch eine Runde über unserem Fahrzeug. Wir hoffen, dass der Pilot irgendjemand benachrichtigt, der uns hier herausziehen kann. Einen letzten Befreiungsversuch starteten wir kurz vor Sonnenuntrergang. Ich holte bei einem ca. 2 km entfernten Wasserloch einige Äste, die dort herumlagen. Wir stopften sie unter die Räder und versuchten los zu kommen. Auch dieser Versuch scheiterte. Wir richteten uns für die Nacht ein und hofften, dass uns Morgen jemand zu Hilfe kommt. Der Wunderschöne Sonnenuntergang konnte unsere Stimmung nicht gross anheben.

28.06.07 10 km vor - 1.6 km vor Barkly Highway

Beat stand heute kurz nach Sonnenaufgang auf und begutachtete die Situation erneut. Er liess mich noch an der Wärme des Schlafsacks. Er befreite die Räder nochmals ein wenig vom Dreck und schöpfte noch etwas Wasser aus der tiefen Furt. Danach genehmigten wir uns einen heissen Tee und berieten das weitere Vorgehen. Wir beschlossen einen letzten Befreiungsversuch mit dem Luftkissenheber zu unternehmen und bei erneutem Scheitern, die 10 km zum Highway zu wandern.
Beat schob das Kissen zuerst unter die Träger vor dem linken Hinterrad, aber das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Danach schob er das Kissen mit Hilfe der Schaufel von hinten soweit unter das Fahrzeug wie er konnte. Zwei Versuche waren nötig, bis das Kissen die Hinterachse anzuheben vermochte. Ich legte den ersten Gang ein und war fahrbereit. Beat machte sich bereit zum Schieben. Auf drei liess ich die Kupplung los und Beat schob mit aller Kraft. Ein grosses Aufatmen von uns zwei war zu hören. Wir kamen eine Radlänge vorwärts und rutschten über das Kissen und steuerten das Auto mit einem Vorderrad auf eine härtere Schulter. Drei von 4 Rädern hatten jetzt in dieser Position Griff. Erneut trafen wir Vorbereitungen für ein weiteres Fortkommen. Beat liess die Luft aus dem Kissen und holte es hervor. Danach platzierte er mit aller Kraft die spärlichen Holzäste unter die Räder und stopfte das Kissen erneut von hinten unter das Fahrzeug. Danach legte er den Schlauch erneut am Auspuff an, um das Kissen wieder aufzublasen. Ich beobachtete das Fahrzeug von der Seite und informierte ihn über die Änderungen. Danach besprachen wir die Route, die wir bei einem Freikommen fahren würden. Wir vereinbarten wie weit Beat fahren sollte. Ich blieb zurück, um die Äste einzusammeln und mitzunehmen, da wir nicht wussten, ob wir nochmals auf deren Hilfe angewiesen sein würden.
Beat hüpfte hinters Steuer und fuhr los. Die Räder griffen, das Fahrzeug bewegte sich vorwärts. Wir waren FREI!!!!!! Yeah!!!! Leider fanden wir nicht mehr alle Äste, aber immerhin hatten wir noch zwei grössere mit. Wir verstauten sie in einem der Aussenfächer, stiegen ins Fahrzeug und brausten mit zitternden Knien und fast ohne zu atmen davon. Wir hatten noch einige Pools und schmierige Stellen zu passieren. Ich las vom GPS jeden Kilometer ab, den wir gefahren sind resp. noch zu fahren hatten. 1.6 km vor dem Highway erreichten wir eine äusserst lange, schmierige und überschwemmte Passage. Ich riet Beat sofort anzuhalten und das Terrain zu überprüfen. Was wir vorfanden, schockierte uns zutiefst. Unser Füssen sanken teilweise Knöcheltief ein. Das sichtbare Wasser auf der Fahrspur breitete sich rechts und links von der Fahrbahn weit ins Spinifexbewachsene Land hinein. Keiner von uns sah eine Chance, diese Wasserlache zu umfahren und ein erneutes Festsitzen wollten wir nicht riskieren.
So beschlossen wir zum Highway zu wandern, waren ja nur 1.6 km, und Hilfe anzufordern. Auf dem Weg zum Highway fanden wir erschreckenderweise noch zwei weitere äusserst heikle Stellen. Selbst zu Fuss bekundeten wir Mühe, nicht zu tief einzusinken. Am Highway angelangt, stoppten wir ein Fahrzeug und berichteten über unsere missliche Lage. Sie waren nicht ausgerüstet, uns zu helfen. Aber sie boten uns an, uns zur 23 km entfernten Polizeistation mitzunehmen. Wir quetschten uns zu Jimmy's Tochter auf die Rückbank und fuhren zur Polizei. Hier verabschiedeten wir uns von Jimmy und bedankten uns für seine Hilfe. Danach wollten wir die Polizeistation betreten, es war kurz vor 12.00 Uhr, aber kein Mensch war da zu unserer grossen Enttäuschung. Es gab 3 weitere Türen, die mit Private angeschrieben waren. Beat und ich berieten, was jetzt zu tun sei. Plötzlich öffnete sich eine Türe und ein Polizist kam raus. Ich sprach ihn gleich an und erzählte ihm unsere missliche Lage. Er sagte, dass er gleich abgelöst würde und versprach uns, uns zumindestens zum Fahrzeug zurück zu bringen. Sein Vorgesetzter kam kurze Zeit später. Er versprach uns, Hilfe zu senden. Wir vereinbarten, dass wir bei unserem Fahrzeug bleiben würden bis zum Mittag des nächsten Tages.
Der Polizist führte uns, so nahe an unser Fahrezug, wie möglich und verabschiedete sich von uns. Wir liefen noch etwa 1.2 km zurück zum Auto und kochten uns das Mittagessen. Plötzlich sahen wir, dass sich ein Fahrzeug bis auf 500 m an uns heranwagte. Der Mann stieg aus und lief in unsere Richtung. Ich ging ihm entgegen. Er wollte uns helfen, aber als er den Strassenzustand sah, resignierte er und teilte uns mit, dass wir mindestens 14 Tage ausharren müssten, da hier kein Auto passieren könne. Er erkundigte sich nach unseren Lebensmittel- und Wasservorräten und lud uns auf einen Tee zu sich ein. Wir folgten ihm gerne und verbrachten einen schönen Nachmittag mit angeregten Gesprächen. Jim ist ein pensionierter Fischer aus Queensland und war auf Vogelbeobachtung, als er uns erspähte. Er teilte uns mit, dass das Jahr 2007 die grosse Wetterwende brachte und noch bringen würde nach einer 9-jährigen Trockenperiode. Obwohl jetzt die Trockenzeit wäre, fiel ungewöhnlich viel Regen im ganzen nördlichen Gebiet. Rund um Camooweal fehlten nur noch 2 inches bis zum Rekordwert der letzten Jahrzehnte. Solche Informationen kamen wir auf unserer Reise ja immer wieder zu hören. Da scheint wirklich, was dran zu sein. Ob wir wohl den von Australiern heiss begehrten Regen mitgebracht hatten? Wir informierten Jim, dass uns jemand bis zur Polizeistation gefahren hatte und wir eine Art Kommunikation zur Aussenwelt aufgebaut hätten. Er versprach, morgen nach der Mittagszeit nochmals vorbeizuschauen und fuhr wieder zurück.
Wir zwei verbrachten noch etwa 1 Stunde mit Lesen draussen vor unserem Fahrzeug und schauten uns den Sonnenuntergang an. Dann wurde es uns zu kalt und wir zogen uns in den windgeschützten Camper zurück, schrieben den Interneteintrag und lasen noch ein wenig. Danach versuchten wir, zu schlafen.

29.06.07 1.6 km vor Barkly Highway

Um ca. 7 Uhr, kurz nach Sonnenaufgang, stand ich auf und kochte mir heisses Wasser für einen Tee. Kurze Zeit später sah ich das Flugzeug der Austral Downs im Tiefflug heranbrausen. Es überflog uns und kehrte kurz nach dem Barkly Highway, um uns ein zweites Mal zu überfliegen. Ich signalisierte dem Pilot, dass bei uns alles in Ordnung sei. Nach einer Weile stand Nicole auf und wir nahmen das Frühstück ein. Wir waren gespannt, wann die Polizei eintreffen würde und ob sie uns helfen könne. Wir lasen in unseren Büchern bis 11.30 Uhr, aber die Polizei hatte sich noch nicht gezeigt. So beschlossen wir ein paar Sachen zusammen zu packen und per Autostopp nach Camooweal zu fahren, um etwas zu unternehmen. Gerade als wir von unserem Fahrzeug loslaufen wollten, kamen eine Polizeibeamtin und ein Plozeibeamter zu uns marschiert. Unfreundlich fragten sie, was wir hier machten, woher wir kommen und wohin wir wollten. Anschliessend kontrollierten sie unsere Pässe und die Papiere des Fahrzeuges. Dabei stellten sie fest, dass die Registrierung des Fahrzeuges abgelaufen war. Sie erkundigten sich, ob wir Nahrungsmittel und Wasser hätten, was wir bejahten. Anschliessend erklärten sie, dass wir hier sicher noch nicht herauskommen und sie am Sonntag nochmals vorbeischauen würden. Auf die Frage, ob sie über irgendwelche Hilfsmittel wie Holzläden oder ähnliches verfügen oder jemanden kennen, der uns weiterhelfen könnte, antworteten sie mit nein und sie verabschiedeten sich.
Beim Hinausfahren mit ihrem Allradfahrzeug kehrten sie so unbeholfen, dass auch sie beinahe stecken geblieben wären. Frustriert sahen wir uns gegenseitig an. Dann sahen wir Jim vom Highway in die Abzweigung einbiegen und wir liefen ihm entgegen. Lauthals verschaffte er seinem Ärger Luft, als wir ihm die Geschichte mit der Polizei erzählten. Er bot uns an, uns nach Camooweal zu fahren, um dort nach Hilfe zu Fragen oder Material zu organisieren. Wir nahmen dankend an und fuhren los. In Camooweal fragten wir an allen möglichen Stellen nach Hilfe, aber niemand war fähig oder willens, uns zu helfen und alle guckten nur komisch. So etwas hatten wir in Australien noch nicht erlebt! Wir luden Jim zum Mittagessen im Roadhouse ein und besorgten anschliessend noch einige Lebensmittel. Ohne Hilfsmaterial und Hilfe machten wir uns auf den Rückweg. Bei Jim's Campingstelle berieten wir das weitere Vorgehen bei einer Tasse Tee. Ein Auto bog zur Campingstelle ab und ein Mann, den wir In Camooweal getroffen hatten, bot uns zwei seiner Signalschilder, die er am Strassenrand aufstellen sollte zum Unterlegen an. Wir bedankten uns für das Angebot, aber wir wollten ihm keine Probleme bereiten und zwei Schilder hätten für eine Befreiungsaktion sowieso nicht ausgereicht. Aber wir waren von seinem Verhalten zutiefst gerührt.
Anschliessend fuhr uns Jim zurück zu unserem Camper und wir begutachteten die Situation erneut. Es war etwas trockener geworden und wir beschlossen, morgen einen Versuch zu starten, durch den Schlamm zum Highway zu gelangen. Die Sonne war am untergehen, als Jim sich verabschiedete. Wir lasen noch eine Weile in unseren Büchern und versuchten anschliessend zu schlafen.

30.06.07 1.6 km vor Barkly Highway

Nachdem wir in der Nacht kaum ein Auge zugetan hatten, standen wir bei Sonnenaufgang auf. Wir begannen ohne Speis und Trank unsere Arbeiten. Beat stürzte sich in die kurzen Hosen und Sandalen, um den überschwemmten ca. 500 m langen Weg zu durchwaten und die Schlamm- sowie Wassertiefe und den Boden darunter zu prüfen. Ich selber machte den Camper reisefertig, trocknete das Kondenswasser so gut es ging und marschierte anschliessend auf der zweiten Schlammspur bis zum trockenen Abschnitt. Hier prüfte ich, wo ein Spurwechsel gefahrlos vorgenommen werden könnte. Danach tauschten Beat und ich unsere Informationen aus. Völlig frustriert und mit hängenden Köpfen spazierten wir zurück zum Camper, denn der überschwemmte Teil war mit ca. 50 cm tiefem weichem Pflotsch bedeckt. Wir entschieden, zumindest das kurze Schlammstück direkt vor unserem Fahrzeug zu durchfahren, um für die nächsten Tage in einer etwas trockeneren Umgebung campieren zu können. Dann holten wir leere Flaschen, die wir aufgeschnitten hatten, sowie ein leeres M&M-Kübelchen. Mit kurzen Hosen und den rudimentären Werkzeugen ausgerüstet, steuerten wir die zweite Schlammspur an, die mehrere gute und trockene Abschnitte aufwies, und machten uns daran, das Wasser und den Schlamm aus der Spur zu schöpfen.
Wir hatten kaum angefangen, kam uns Jim entgegen. Wir berichteten ihm unsere Erkenntnisse und er erklärte sich bereit, uns beim Abschöpfen zu helfen. Er holte sich einen leeren Behälter und begann, mit uns zu arbeiten. Dann hatte er eine Idee und versuchte mit seinem Fahrzeug, eine Spur für uns legen. Die Gefahr, selber noch im Schlamm stecken zu bleiben, war jedoch zu gross.
Nach ca. 4 Stunden mühseliger Arbeit zog sich Jim kurz in sein Fahrzeug zurück. Plötzlich sahen wir, dass noch ein Fahrzeug da stand. Ein junger und abenteuerlustiger Mann musste zur Austral Downs Farm und erklärte sich bereit, eine Fahrspur für uns zu fahren. Das Terrain vermochte in den Stunden der Arbeit noch ein kleines bisschen zu trocknen. Der junge Mann watete, ohne zu zögern mitten durch den Schlamm und erklärte die Strecke für sein Fahrzeug als befahrbar. Wir räumten unsere Sachen beiseite und beobachteten voller Spannung die Fahrt. Es war fast so, als würden wir uns einen spannenden Actionfilm ansehen. Alle drei standen wir an verschiedenen Stellen und blickten dem heranbrausenden, schnaubenden, Matsch-schleudernden und Wasser-spritzenden Gefährt entgegen. Mit einigen Heckschwenkern erreichte er sicher unseren Camper und hielt vor unserem Fahrzeug an. Der junge Mann war in Eile, aber nahm sich noch Zeit, uns zu beraten, wie wir seine Fahrspur nützen könnten, um in die Freiheit hinaus zu fahren. Voller Freude stürzte uns Jim entgegen und machte uns neuen Mut.
Wir drei beschlossen, keine Zeit mehr zu verlieren und den Befreiungsversuch sofort in Angriff zu nehmen. Jim und ich postierten uns im zweiten Drittel des grössten Matschfeldes, um bei Gefahr des Steckenbleibens das Fahrzeug von hinten durchzuschieben. Beat setzte sich voll konzentriert ans Steuer. Er liess den Motor auf Anraten von Jim warm laufen, setzte das Fahrzeug soweit möglich zurück, um vor dem Matsch auf ca. 50 km/h beschleunigen zu können und mit voller Kraft durch den Schlamm sowie die eben vorgenommene Fahrspur zu brausen. Jim und ich hielten unseren Atem an und waren sprungbereit für unseren Eingriff, aber dennoch in sicherer Distanz, damit wir nicht noch vom Matsch "erschlagen" würden.
Plötzlich verlor Beat an Geschwindigkeit. Das Fahrzeug drohte, stecken zu bleiben. Wir eilten herbei, aber Beat hatte es um eine Handbreite auf genügend festen Boden geschafft, so dass ein erneutes Losfahren möglich war. Welch grosser Aufschrei, die heikelste Passage war geschafft. Wir liessen das Fahrzeug stehen und berieten darüber, wie die zwei weiteren schwierigen Passagen, zu meistern wären. Erneut setzte sich Beat hinters Steuer, beschleunigte und brauste problemlos durch den Schlamm mit ca. 30 km/h. Die letzte Passage vor unserer Freiheit meisterten wir, indem Jim vor dem Fahrzeug herlief und Beat genau anwies, wie die Räder zu stellen seien, damit sie die trockenen Stellen berührten. Ganz langsam fuhr er Zentimeter um Zentimeter vorwärts. Als das letzte Rad auf sicherem Grund stand, hielt Beat an und wir liessen unserer Freude freien Lauf.
Gemeinsam mit Jim fuhren wir zu seinem Bush-Campsite am Fluss und wuschen uns sowie unsere Schuhe kräftig ab. Danach kochte ich einen kleinen Lunch für uns drei, den wir in gemütlicher und glücklicher Runde mit Heisshunger verzehrten.
Jim führte uns anschliessend an eine betonierte Stelle direkt neben einem weiteren Fluss, wo wir unserem Fahrzeug eine Grosswäsche verabreichten. Nach ca. 1 Stunde intensiver Wascharbeit von Beat und mir (Jim wusch sich inzwischen von Kopf bis Fuss) fuhren wir zum nächstgelegenen Picnic Area und entsorgten unseren Müll. Danach führte die Fahrt weiter nach Camooweal, wo wir erneut stoppten, um zu tanken und die Reifen wieder aufzupumpen.
Jetzt hielt uns nichts mehr fest und wir brausten gemeinsam nach Mount Isa. Einen kurzen Tee-Stopp legten wir noch ein, bevor wir die Stadt erreichten. Die Sonne war gerade am Untergehen, als wir auf einem Campingplatz einfuhren. Dieser hatte leider nur noch Platz für 1 Nacht. Wir versuchten unser Glück noch bei einem zweiten Campingplatz, aber der war völlig ausgebucht. So kehrten wir zur ersten Adresse zurück und erhielten den Platz für die eine Nacht. Jim wollte im Bush übernachten und versprach am nächsten Morgen nochmals vorbeizuschauen. Wir hatten eine gute Freundschaft geschlossen, weil wir die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft dieses Mannes unheimlich schätzten.
Wir machten nicht lange mit dem Einrichten unseres Campers, sondern stürzten uns gleich unter die Dusche. Wir hatten sogar einen Platz erwischt, der pro Stellplatz ein Badezimmer anbot (fast wie in einem Hotel). Welche Wohltat und Freude nach der langen Zeit, eine warme Dusche nehmen zu können. Beat und ich assen unser Nachtessen und arbeiteten am Computer bis tief in die Nacht, um unsere Homepage wieder einmal aufdatieren und erhaltene Nachrichten lesen zu können. Diesmal fielen wir schnell in erholsamen, tiefen Schlaf.