Katherine - Alice Springs (9. - 12.)

9.06.07 Katherine - Barunga

Heute standen wir wieder etwas später auf, duschten nach dem Frühstück und erledigten den Abwasch. In Katherine kauften wir für Nicole noch ein paar lange Hosen, weil wir in den Nächten kühlere Temperaturen hatten und noch kühlere erwarteten. Unser heutiges Ziel war das Barunga Sport & Cultural Festival. Wir wollten einmal sehen, wie die Aborigines ein Festival feiern. Nach ca. 1 Stunde Fahrzeit hatten wir die Abzweigung nach Barunga erreicht und ca. einen Kilometer später trafen wir auf eine Polizeikontrolle. Es ist verboten, Alkohol nach Barunga zu bringen. Nicole's Führerausweis wurde kontrolliert und sie wurde aufgefordert, in eines der berühmten Röhrchen zu blasen. Sie tat das mit etwas zu viel Eifer, so dass der Polizist sie etwas bremsen musste. Die Frage, ob wir Alkohol mitführten, beantwortete Nicole mit ja und ich mit nein, weil wir nur einen angefangenen Wein bei uns hatten und ich der Meinung war, dass das kein Problem darstellte. Der Polizist war etwas verwirrt und fragte: "Was jetzt, ja oder nein?". Wir bejahten und gaben den restlichen Wein der Polizei ab, die ihn aufbewahrte, bis wir ihn beim Verlassen von Barunga wieder abholten. Den Schweizer Führerausweis fand der Polizist nicht ganz ausreichend und er erkundigte sich nach einem internationalen Führerschein. Wir sagten ihm, dass wir keinen internationalen hätten und er gab sich dann doch mit dem gezeigten zufrieden. Er wünschte uns gute Fahrt und viel Spass und wir brausten weiter nach Barunga. In Barunga bezahlten wir die je 5 AUS$ pro Person und erhielten ein Festivalprogramm. Auf dem Campinggelände erspähten wir das Fahrzeug von Fränzi und Richi, die uns auf das Festival aufmerksam gemacht hatten. Nicole fuhr unser Fahrzeug neben ihres und interpretierte das Winken von Fränzi und Richi, nicht dem Sinn entsprechend, so dass wir mit dem linken Vorderrad fast in der Glut des Lagerfeuers parkten. Nachdem wir unser Fahrzeug in sicherer Distanz abgestellt hatten, begrüssten wir uns und wir richteten uns auf dem Platz ein. Am Festival spielten verschiedene Aboriginal Gruppen zeitgemässe Musik mit Drums, Gitarre und Gesang. Auf den traditionellen Teil mit "The Masters of the Didge" warteten wir vergebens. Auch sonst war das Programm eher ein Richtplan, ähnlich wie der Tagesbefehl im Schweizer Militär. Es gab gratis traditionelles Aboriginal Essen (Bush Tucker), zu testen und Kunst zu sehen. Es war interessant zuzusehen, wie die Aborigines ihr Essen auf traditionelle Weise zubereiteten, aber getestet haben wir nur das salzlose Brot, das direkt auf der Holzkohle gebacken wurde. Die Schildkröten, Fische und Känguru-Schwänze vermochten unseren Appetit, nicht sonderlich anzuregen. So verbrachten wir den Tag mit Musikhören, Sportwettkämpfe sehen (Australian Football, Basketball und Softball). Nach Sonnenuntergang wurde es sofort empfindlich kühl, so dass wir uns auf den Campingplatz zurückzogen und die Wärme unseres Lagerfeuers genossen. Die Musik war auch auf dem Campingplatz gut zu hören. Gegen 24 Uhr gingen wir in unseren kalten Camper zum Schlafen.

10.06.07 Barunga - Mataranka

Hört Ihr das Geklapper? Ja genau, das sind meine Zähne, die sich verselbständigt haben und meinem fröstelnden Körper noch die nötige Akustik verliehen. Eigentlich war ich ja in voller Montur angezogen zu Bett gegangen und hatte sogar versucht, die Wärme des Lagerfeuers mit in den Schlafsack zu nehmen. Zu Beginn funktionierte dies noch, aber mit der Zeit machte sich die Kälte doch sehr deutlich bemerkbar. Gerade mal 6° C zeigte unser Thermometer an, als ich, von meiner Blase genötigt, aus dem Schlafsack kroch. Beat und Richie hatte schon Feuer gemacht und Teewasser gekocht, so dass wir uns zum Aufwärmen dicht ans Feuer stellen konnten. Nachdem wir unseren heissen Tee geschlürft hatten, toasteten wir unsere Brotscheiben auf der Glut mit einem Gasgrill-Toasthalter von Fränzi und Richie anstelle unserer Grillzange. Dies klappte derart gut, dass wir gleich alle Brotscheiben (ca. 10) zubereiteten und mit Butter und Honig verzehrten. Nach der kalten Nacht waren wir erstaunlich hungrig.
Wir plauderten mit Fränzi und Richie bis etwas nach 9.00 Uhr und wuschen anschliessend unser Geschirr. Wow, die Temperatur hatte sich etwas erhöht, so dass ich meine oberste Hosenschicht (hatte insgesamt 2 Paar Hosen übereinander angezogen) ausziehen konnte und mich des Faserpelz-Kapuzenpullis entledigen konnte. Immerhin blieben da noch immer die Sweatshirtjacken-, Langarmpulli- und T-Shirt-Schicht übrig. Danach besuchten wir die Kunstausstellung, aber das schönste Didgeridoo war bereits verkauft, so dass wir uns nichts besorgten. Fränzi machte mich auf den CD-Verkäufer aufmerksam, der die neue CD von Yothu Yindi, einer berühmten aboriginal Rockband zum Verkauf bei sich hatte. Wir ergriffen gleich die günstige Gelegenheit und ergatterten, eine der begehrten CDs. Danach verabschiedeten wir uns von Fränzi und Richie und machten uns auf den Weg nach dem ca. 80 km weit entfernten Mataranka. Im Fahrzeug konnte ich sogar meine Sweatshirtjacke ausziehen.
Im Nu hatten wir unser Ziel erreicht und besuchten zuerst die Bitter Springs im Elsey NP. Das sind warme Quellen, die vom Grundwasser gespiesen werden und von der Erdwärme auf ca. 33° aufgewärmt werden. Das Wasser ist glasklar und wird von wunderschönen Palmenwäldern und anderen Pflanzen gesäumt. Da ich noch immer mit langen Hosen und Langarmpulli unterwegs war, reizte mich das Baden nicht, auch nicht mit verlockender 33° Wassertemperatur. Zudem waren schon einige Personen im Pool und im Flusslauf.
Wir fuhren weiter zum Mataranka Thermal Pool, das ebenfalls im Elsey NP liegt und glasklares, warmes Grundwasser enthält, und dem zugehörigen Campingplatz. Hier checkten wir für 1 Nacht ein und richteten uns auf dem Stellplatz ein. Nach einer kleinen Verpflegungspause wagte ich mich, kurze Hosen anzuziehen und den Pulli im Camper zu lassen. Wir marschierten mit Badetuch und Badekleidung bewaffnet Richtung Pool. Doch die grosse Menschenmenge hielten uns von einem Bad ab. Es war einfach zu überfüllt. Wir spazierten entlang dem Rundweg und kehrten zum Camper zurück, um noch einige Computerarbeiten zu erledigen und zu lesen. Wir liessen es gemütlich angehen und wärmten uns fürs mexikanische Nachtessen die bereits vor drei Tagen zubereitete Hackfleisch-Bohnen-Sauce und assen dazu den restlichen Kohlsalat von gestern. Da morgen 560 km Strasse auf uns warteten, legten wir uns früh schlafen. Diesmal hatte wir Strom und konnten schon früh unsere Heizung in die Gänge bringen, so dass die Nacht temperaturmässig sehr angenehm war.

11.06.07 Mataranka - Tennant Creek

Um 6 Uhr wurden wir vom Wecker aus dem Schlaf geholt. Die Nacht war wieder kalt, aber dank unserer Heizung im Fahrzeug und dem Stromanschluss auf dem Campingplatz war es zum Schlafen in unserem Fahrzeug angenehm warm. Nach dem Frühstück machten wir mit Fotoapparat und Videokamera bewaffnet nochmals einen Rundgang bei den Quellen. Am frühen Morgen dampft das warme Wasser der kühlen Lufttemperatur wegen und es lassen sich schöne mystisch anmutende Bilder schiessen. Nach dem Rundgang starteten wir zum ersten ca. 600 km langen Teilstück Richtung Alice Springs, das uns nach Tennant Creek führen sollte. Das Landschaftsbild wahr recht eintönig. Eukalyptuswälder und Buschlandschaften wechselten sich ständig ab. Im Roadhaus bei Dunmarra genehmigten wir uns einen feinen Fischburger. Kurz nach halb drei Uhr erreichten wir Tennant Creek und wir richteten uns auf dem Campingplatz ein. Nach einem kurzen Schwatz mit unseren neuseeländischen Nachbarn bereiteten wir unser Nachtessen zu. Den Abend verbrachten wir am Campfire bei Jimmy Hooker, dem Bush Tucker Man of the Barkly. Er unterhielt uns mit Geschichten und Gedichten aus dem australischen Outback und erlaubte uns einen Einblick in die Buschküche. Wir durften die Buschkokosnuss, Buschtomate, Buschbanane, Buschlemongrass, Buschingwer und die gegrillte Witchetty-Raupen degustieren. Nicole testete von allem. Die gegrillte Witchetty-Raupe riecht wie Kartoffel und schmeckt wie Pecannüsse. Die Buschkokosnuss ist eine von Insekten kreierte Frucht. Und zwar wird die Baumrinde etwas aufgekrazt und die Eier abgelegt, dann wächst eine etwa Mandarinen-grosse Frucht, die eine Art "Wasserbeutel", der gut und süsslich schmeckt enthält und mit vielen Larven gefüllt ist. Je nach Entwicklungsstadium der Larven ist die Färbung von bräunlich zu fast rosa. Diese Larven sind geschmacklich neutral und sehen aus wie Raspeln. Seine Vorstellung war die drei AUS$ pro Person wirklich wert! Kurz nach 10 Uhr legten wir uns schlafen.

12.06.07 Tennant Creek - Alice Springs

Tja, so eine Heizung und Stromanschluss sind zur Zeit äusserst begehrt und angenehm. Das Schlafen in der Nacht und das Aufstehen am Morgen fallen einem einiges leichter bei gemässigteren Temperaturen um die 18° C. Wir frühstückten kurz und nahmen die 2. Etappe Richtung Alice Springs (ca. 500 km) unter die Räder.
Nach 102 km stoppten wir, um die einmaligen Devils Marbles zu besichtigen. Diese Gesteinsformationen sind äusserst beeindruckend und leuchten in rötlicher Farbe, wenn sie von der Sonne beschienen werden. Die Umgebung hier besteht aus kleinen Hügeln, Spinifexgräsern und verschiedenen Busch- und Baumarten. Ich konnte mich kaum satt sehen, an der farblichen Zusammenstellung der Pflanzen und Gesteinsformationen umrahmt vom intensivgefärbten blauen Himmel. Der Wind pfiff uns um die Ohren und ich musste trotz Sonnenschein meinen Faserpelz eng an mich drücken und den Kragen etwas hoch stellen.
Das weitere Landschaftsbild entlang es Stuart Highways bot uns sowohl wunderschöne Hügellandschaften mit viel Spinifexgräsern, Büschen und Bäumen, als auch topfebene Abschnitte mit Spinifexgräsern-, Büschen und einzelnen Bäumen oder ganzen Wäldern. Beim Ti-Tree Roadhouse genehmigten wir uns einen With-a-lot-Burger, den wir etwas weiter vom Roadhouse entfernt teilten und verzehrten. Um das Roadhouse herum schlichen viele Hunde und auch sonst war es kein sonderlich lauschiges Plätzchen.
Um 15h30 erreichten wir Alice Springs und waren fasziniert von der atemberaubenden Zufahrt mit Blick auf die MacDonnell Ranges Gebirgskette. Wir stapften mit etwas steifen Beinen zur Reception des Top Tourist Campingplatzes und wollten einchecken. Doch der Platz war völlig ausgebucht und wies uns deswegen ab. Müde und enttäuscht peilten wir den nächsten Campingplatz an. Hier wurden wir fündig und erhielten für 2 Nächte einen Stellplatz mit Stromanschluss. Der Platz war nicht überragend, aber zum Schlafen und Duschen ist er ok.
Wir kochten uns das Nachtessen und planten die weitere Reise. Denn hier im roten Zentrum gibt es tausend Sehenswürdigkeiten zu sehen und die Auswahl fällt nicht leicht.