Trabzon - Inkumu (22. - 27.)

22.7.2012

Heute gingen wir es gemütlich an und starteten erst um halb elf. Kurze Zeit später waren wir beim Eingang zum Sumela Kloster. Auf einem schönen Waldweg (der in der Schweiz sein könnte) kamen wir ins Kloster. Hinter der Fassade, die man schon von weitem erblicken konnte, sah es aus wie in einem kleinen Dorf. Vor und in der Kapelle waren viele Fresken mit zum Teil sehr schönen Malereien. Das Marienkloster, wie es auch genannt wird, ist schon lange nicht mehr bewohnt und war bis im letzten Jahrhundert ein Pilgerort. Einige Teile der Klosteranlage werden renoviert und waren deshalb nicht zugänglich.
Am Hang des Klosters gab es ein touristisches Kaffee mit Restaurant, wo man trotz Ramadan etwas bekam. Das nützten wir aus und tranken eine kühle Cola, da es schon wieder recht schwül heiss war.
Für die Weiterfahrt nach Ordu nahmen wir die Strecke durchs Landesinnere. Es ging wieder steil bergauf und –ab. Bevor wir an die Küste des Schwarzen Meeres kamen, suchten wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Nach 3 Anläufen fanden wir einen schönen Platz nahe einem Flussbett. Da das Wetter regnerisch war und der Fluss in kurzer Zeit um ca. 40 cm anstieg, parkten wir unseren Bus später noch etwas erhöht.

23.7.2012

In der Nacht setzte sich ein grösserer nachtaktiver Raubvogel mehrmals auf unser Klappdach, was sich durch Klopf- und Scharrgeräusche bemerkbar machte. Das erste Mal erschraken wir beide sehr, gewöhnten uns aber dann an das Geräusch. Der Wasserstand hatte sich durch die Nacht nicht mehr gross verändert. Am Morgen machten wir uns auf zu unserem nächsten Etappenziel Ordu, das Zentrum der türkischen Haselnussproduktion. Von den in unserem Reiseführer beschriebenen Haselnussspezialitäten fanden wir in der Stadt auch nach längerem umherschlendern nichts. In einem Laden kauften wir ein halbes Kilo geschälte Haselnüsse. Weil auch in Ordu wegen des Ramadans fast keine Cafés offen sind, kauften wir in einem Supermarkt Getränke und suchten uns ein schattiges Plätzchen in einem Park. Anschliessend fuhren wir weiter durch Samsun zum Campingplatz Kanarya. Für schlechte Sanitärausstattungen und einen durchschnittlichen Standplatz bezahlen wir hier 40 TL. Wir nutzten die Gelegenheit und wollten mit der zur Verfügung stehenden Maschine wieder einmal Wäsche waschen. Der Wasseranschluss spritzte beim Öffnen aber auf alle Seiten. Auf Nachfrage kam dann ein mürrischer Campingplatzchef um den Wasseranschluss zu „reparieren“. Er motze uns auf Türkisch an, dass wir die Maschine nicht bedienen durften, dabei hatten wir das vorher mit seinem Mitarbeiter besprochen. Nach der Wäsche gingen wir trotz des bedeckten Himmels noch im Meer baden. Das Wasser war sehr warm. Am Strand und im Wasser hatte es aber recht viele Quallen.
Irgendwie sind wir momentan etwas Reisemüde und sehnen uns nach einem schönen Ort, an dem man sich richtig wohlfühlen und ausruhen kann. Aber es scheint in der Türkei und während des Ramadan keinen Campingplatz zu geben, der diesen Vorstellungen entspricht. Wir sind deshalb am Planen, wie unsere Reise weitergehen soll.

24.7.2012

Heute wollten wir uns Amasya ansehen. Es soll das schönste Städtchen Zentralanatoliens sein. Kurz vor Mittag trafen wir im Ort ein und wir parkten unseren Bus. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass der Reiseführer Recht behalten sollte. Am Fluss befinden sich zum Teil sehr schöne alte Häuser und es führt auch eine schöne Promenade entlang. In den Restaurants war trotz des Ramadan ein wenig Leben drin. Wir genossen es wieder einmal etwas in einem Lokal zu Mittag zu essen. Auf der Touristeninformation erkundigten wir uns, ob es in der Nahe einen Campingplatz gebe. Der nette Herr sprach keine andere Sprache als Türkisch und war uns deshalb keine grosse Hilfe. Auch der Polizist mit seinem Maschinengewehr war keine Hilfe, obschon er vorgab etwas französisch zu verstehen. Auf die Frage nach einem Campingplatz wollte er uns zu den Felsengräbern schicken. Wir beschlossen, uns nach einer Pension umzusehen. Da wir die erste, die wir uns ansehen wollten nicht fanden, fragten wir einen herumsitzenden Herrn danach. Er hatte mal in Deutschland gearbeitet und sprach deshalb recht gut deutsch. Er kam gleich mit uns zu der Pension, die versteckt um die Ecke lag. Glücklicherweise, denn die Besitzerin sprach kein Wort in einer anderen Sprache ausser türkisch. Von aussen sah die Ilk Pension nicht sehr einladend aus, aber als die Türe geöffnet wurde kam ein schöner Innenhof von einem alten Holzhaus zum Vorschein. Die Zimmer waren einfach eingerichtet und sauber. So mieteten wir ein Zimmer mit Frühstück für 80 TL. Die Hitze und das Reisen machten uns müde und so legten wir uns am Nachmittag noch etwas hin. Gegen 19 Uhr begaben wir uns auf die Strasse und suchten uns ein Restaurant für das Nachtessen. Das Amasya Sehir Demegi war in unserem Führer als preiswert und gut erwähnt. Wir setzten uns kurz vor acht an einen Tisch im Restaurant. Wegen des Ramadans gab es ein Buffet mit Vor- Haupt- und Nachspeisen inkl. Getränken (natürlich nichts Alkoholisches) für 20 TL/P. Alle hatten am Buffet ihre Teller schon mit Essen gefüllt, warteten aber bis 20.10 Uhr (Sonnenuntergang). Nach einem grossen Knall und dem Ruf des Muezzin begannen alle inkl. das Personal mit essen. Die Speisen waren ausgezeichnet. Kurz nach 21 Uhr waren wir noch die einzigen Gäste im Lokal. Wir bezahlten und begaben uns an die Uferpromenade, wo es heute, wie es aussah, ein Konzert geben sollte. Für das „Konzert“ waren wir noch etwas früh dran und mussten bis 22.30 Uhr warten, was jedoch sehr kurzweilig war. Die Plätze waren bis auf den letzten besetzt. Als die Vorstellung begann, stellte sich heraus, dass es sich um ein Schattenspiel handelte und für uns wegen der mangelnden Türkischkenntnissen nicht wirklich interessant war. So machten wir uns nach 23 Uhr auf den Weg zur Pension. Das rege Treiben auf den Strassen ging aber vermutlich noch bis weit in die Morgenstunden weiter.

25-7.2012

Wir genossen das Frühstück in der Pension und machten uns danach auf den Weg Richtung Amasra. Bei einer Raststätte legten wir einen Halt ein und gönnten uns einen Tee. Bei dieser Gelegenheit füllte ich noch die 25 l Eurodiesel aus den Dieselkanistern in den Tank. Da uns im Voraus niemand sagen konnte, ob in der Türkei und in den anderen durchquerten Ländern flächendeckend Eurodiesel mit einem Schwefelgehalt < 10 ppm erhältlich sein wird, haben wir diese kleine Versicherung mitgeführt. Es hat sich aber herausgestellt, dass der Eurodiesel fast überall erhältlich ist und wir mit einer Reichweite pro Tankfüllung von min. 1‘200km keine Probleme hatten. Ob der angebotene Diesel tatsächlich die entsprechende Qualität hat, lässt sich ja nicht prüfen, aber unser Fahrzeug hatte bis jetzt keine Probleme damit.
Ca. auf halber Strecke zwischen Amasya und Amasra liegt der Ilgaz Dagi Nationalpark. Hier suchten und fanden wir einen schönen Platz zum Übernachten. Die Gegend sieht aus wie im Jura. Rundherum sind viele hohe Tannen, die im Wind rauschen. Wir machten ein Feuer, zu dem wir den ganzen Nachmittag schauten. Auf über 1800 m.ü.M. wird es sicher eine ruhige und angenehm kühle Nacht werden.

26.7.2012

Die Wärme der Sonne trieb uns aus dem Bus und kurze Zeit später waren wir wieder unterwegs nach Amasra. Der Weg führte uns durch schier endlose Wälder und wir machten auf ca. halbem Weg einen Stopp im Städtchen Safranbolu. Es gehört seit 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zu sehen gibt’s sehr schöne alte Häuser und viele malerische Gässchen, die teilweise mit Reben „überdacht“ sind. Das Wetter war heiss und trocken und nach einem Tee waren wir wieder unterwegs. Nachdem wir die letzte Bergkette überquert hatten, tauchten wir hinunter in das feuchtwarme Klima an der Küste. Amasra selber gefiel uns nicht so gut. Wir assen in einem Restaurant eine Pide, drehten im Ort eine Runde und setzten uns wieder in den Bus. Unser Navigationssystem zeigte in Inkumu einen Campingplatz an, den wir für die Nacht aufsuchen wollten. Den Platz gab es zwar nicht mehr, aber wir fanden einen anderen Campingplatz, auf dem wir uns einrichteten. Der Strand war einigermassen sauber und das Schwarze Meer war mit ca. 21° erstaunlich kühl, nachdem es bei Samsun noch eine warme Pfütze war. Der Campingplatz ist zwar wegen der direkt angrenzenden Hauptstrasse ziemlich laut, aber wir entschlossen uns trotzdem hier morgen wieder einmal einen Fläzitag einzulegen.

27.7.2012

Heute war Fläzitag.
Sünnele, bädele und auswärts Nachtessen.
Am Abend gab’s dann noch ein kurzes Gewitter.