Vansee - Trabzon (18. - 21.)

18.7.2012

Da noch keine Menschen beim Vansee waren, durfte nun auch Sylvia einen Morgenschwumm nehmen. Weiter ging es dann nach Muradiye, wo gemäss Tipp in unserem Buch ein Wasserfall sein soll. Wir rechneten mit einem kleinen Rinnsal, wurden aber positiv überrascht. Von einer Hängebrücke aus, konnten wir einen recht imposanten Wasserfall bestaunen; der Abstecher hatte sich gelohnt! Nach einer Stunde Fahrt erblickten wir erstmals den Berg Ararat. Die Landschaft war sehr eindrucksvoll mit dem verschiedenen durch Lava geformten Gestein.
Um zu der Burg „Ishak Pasa Sarayi“ zu gelangen, mussten wir durch die Stadt Dogubayazit hindurch. Es herrschte reges Treiben und die Strassen mit den kleinen Läden links und rechts waren recht voll mit Menschen, Autos und Wagen. Auf dem Weg zu der Burg hinauf fanden wir ein Restaurant mit Camping. Der Platz ist recht staubig und die Toiletten sind so so la la aber wir freuten uns später auf eine warme Dusche. Am Nachmittag stiegen wir dann zu Fuss zu der Burg hoch. Ishak Pasa Sarayi das orientalische Lustschloss wurde und wird heftig renoviert. Es bot uns Räume mit wunderschönen Ornamenten und Verzierungen um Fenster oder Türrahmen. Die Aussicht von dort oben war ebenfalls imposant.
Wieder auf dem Camping ruhten wir uns ein wenig aus. Viele Leute kamen von dem heissen Dogubayzit im Tal hoch zu „unserem“ Camping und machten da ihre Picknicks. Leider benutzten sie dann auch die Toiletten, die dann nicht mehr so einladend aussahen. Wir liessen dann das Duschen bleiben…

19.7.2012

Vor der Abfahrt füllten wir den Wassertank unseres Busses auf. Die heutige Strecke führte uns über einige Pässe und durch weite Hochebenen. Die Hügel präsentierten sich teilweise in den schönsten Farben von Rot über Gelb bis Weiss und Braun. Den Ararat (5137 m) liessen wir in Wolken gehüllt zurück. Nach ca. 3.5 h Fahrt, erreichten wir den kleinen Ort Ocakli direkt an der türkisch-armenischen Grenze. Beim Dorfeingang wurden wir gleich von einem Jungen empfangen, der sich fast vor unser Auto warf und, nachdem wir fast zum Stillstand abgebremst hatten, die Fahrertüre aufriss. Er machte sich sofort aus dem Staub, nachdem ich meine Gurten gelöst hatte. Der Grund, weshalb wir in diesen heute unbedeutenden Ort gefahren sind, sind die Ruinen von Ani, der einstigen Hauptstadt Armeniens. Hinter dem Dorf erhebt sich eine mächtige, recht gut erhaltene Stadtmauer. In der Stadt, die auf einer Halbinsel des Grenzflusses Arpa Cayi Ahurjan gebaut wurde sind zahlreiche Kirchen- und andere Gebäuderuinen zu bestaunen. Die Stadt ist seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr bewohnt. Ein starkes Erdbeben im Jahre 1319 und die nachlassende Bedeutung der alten Seidenstrasse führten dazu, dass die Stadt aufgegeben wurde. Nach der Besichtigung auf dem weitläufigen Gelände gingen wir ins nahegelegene Ani Café & Restaurant etwas trinken. Wir waren die einzigen Gäste und weil wir auf dem Weg von Kars nach Ocakli keinen geeigneten Übernachtungsplatz gefunden hatten, fragten wir, ob wir auf dem Parkplatz übernachten dürfen, wenn wir bei ihnen zu Abend essen. Sie waren einverstanden und wir richteten uns auf dem Parkplatz ein. Das Abendessen war nicht der Hit, aber was erwartet man schon für 22 TL inkl. Getränke.

20.7.2012

Die Nacht war nicht sehr ruhig- Fast dauernd bellten oder heulten Hunde in der Umgebung. Ein Blick auf den kristallklaren Sternenhimmel, wie er sich nur abseits von grösseren Ballungsräumen ohne grosse Lichtemissionen zeigt, entschädigte aber dafür. Unser heutiges Teilstück führte uns über Erzurum weiter über die Berge Richtung Schwarzmeer Küste. Heute hat der Ramadan begonnen und es war nicht der optimale Zeitpunkt für die Besichtigung von Erzurum. Die Strassen waren fast leer und viele Geschäfte, insbesondere auch Imbissbuden und Cafés hatten geschlossen. Auf der Strasse wurden wir von einem netten Herrn mit recht gutem Deutsch angesprochen. Er spendierte uns im Café seines Sohnes eine Cola. Das Café war eigentlich nicht offen, aber er zeigte uns das Lokal, das er selber renoviert hatte und wir plauderten ein wenig. Er war eigentlich Teppichhändler und da wir sowieso noch mit einem kleinen Kilim liebäugelten, beschlossen wir uns ein paar Exemplare anzusehen. Es waren wirklich schöne Kilims und einer gefiel uns besonders, so dass wir ihn zu einem guten Preis kauften. Anschliessend sahen wir uns in Erzurum noch ein wenig um. Nach dem Mittag strömten die Leute aus den Moscheen und die Strassen füllten sich langsam mit Leben. Wir fuhren mit dem Auto ein wenig aus der Stadt heraus, um uns zu verpflegen. Dann gings weiter Richtung Rize. In den Bergen fanden wir einen geeigneten Übernachtungsplatz direkt an einem Bach. Es ist ein sehr idyllischer Ort, mit springenden Fischen und einem grossen roten Krebs im Bach.

21.7.2012

Über verschiedene Pässe, der letzte über 2600 m.ü.M, erreichten wir heute die Schwarzmeerküste. Vom trockenen, heissen Klima wechselten wir in heiss-feuchtes Gebiet. Die Landschaft bis ca. 1000 m.ü.M. erinnerte uns stark an die Schweiz. Gegen Mittag kamen wir schliesslich nach Rize am Schwarzen Meer. Rund um Rize wird Tee angebaut. In dieser Region wird der gesamte Teebedarf der Türkei geerntet. In Rize selber schauten wir uns die Zitadelle an, von dort gab es schöne Ausblicke auf die Stadt. Viel mehr interessantes gibt es in Rize, abgesehen von der üblichen Moschee, nicht zu sehen. Wir fuhren weiter durch Trabzon zu einem Campingplatz in der Nähe des Sumela-Klosters. Unterwegs tankten wir noch den VW-Bus auf. Einer der Tankwarte sprach recht gut Englisch. Sein Kumpel war aber nicht sehr motiviert. Als er ihm sagte, er solle doch bitte bei uns die Autoscheiben putzen, murmelte er etwas von Ramadan und machte sich aus dem Staub. Dass nun Ramadan ist, macht uns nicht viel Freude. Tagsüber kann man in kaum einem Café oder Restaurant etwas essen oder trinken und viele Leute sind übel gelaunt.